Schimmelbildung in der Wohnung – wer zahlt die Sanierung?

Laut Informationen der Arbeiterkammer Tirol ist es nur eine Frage der Zeit, bis in 20 Prozent aller österreichischen Wohnungen Schimmel auftritt. Aber wer muss fĂŒr die Kosten der Schimmelbeseitigung aufkommen? Zahlt in so einem Fall der Vermieter oder bleibt der Mieter selbst auf den Kosten sitzen? Laut der AK ist die Ursache des Schimmels ausschlaggebend.

Nur oberflĂ€chlicher, kleiner Schimmel muss vom Mieter selbst bereinigt werden, sollte der Schimmel allerdings schon direkt in der Wand vorhanden sein, ist meistens ein baulicher Mangel der Auslöser des Problems. Tritt dieser Fall auf muss der Vermieter fĂŒr die Sanierungskosten aufkommen. Die AK rĂ€t jedem Mieter sich FeuchtigkeitsgerĂ€te fĂŒr die WĂ€nde zuzulegen, falls bewiesen werden muss, dass der Schimmel nicht von einem selbst verursacht wurde.

Was tun, wenn man Schimmel entdeckt?

Markus Kröll, Leiter der Miet- und Wohnrechtsabteilung der AK-Tirol, erzĂ€hlt von einem Fall im Jahr 2015, in dem eine Pensionistin zum ersten Mal Modergeruch und Feuchtigkeit in ihrem Schlafzimmer – das an der dem HĂŒgel zugewandten Seite gelegen hatte – wahrnahm.

„Die Dame fuhr mit der Hand die Wand entlang und bemerkte, wie feucht es war“, berichtet Kröll. Wie vom Gesetz vorgeschrieben habe die Dame umgehend die Vermieterin ĂŒber den Fall unterrichtet. Die WohnungseigentĂŒmerin leitete aber keine Schritte in die Wege, um die Ursache der Feuchtigkeit zu beseitigen.

SpĂ€ter im Jahr traten bereits erste SchimmelausblĂŒhungen auf. BewĂ€hrte Hausmittel gegen Schimmel konnten nur kurzfristig Abhilfe schaffen, der hartnĂ€ckige Moder kam immer wieder zurĂŒck. Laut dem Mietrechtsexperten der AK stellte die Vermieterin zwar TrocknungsgerĂ€te auf, aber selbst diese konnten nicht mehr helfen. Die Bewohnerin ging schließlich mit ihrem Anliegen zur AK Tirol, mit deren Hilfe sie eine Ersatzwohnung zur VerfĂŒgung gestellt bekam sowie von der Miete fĂŒr das „Schimmelobjekt“ befreit wurde. Eine Klage im Jahr 2019 war die Folge, als die Vermieterin begann, eigenmĂ€chtig die Miete vom Konto der betagten Frau abzubuchen.

Wie sich herausstellte, waren tatsĂ€chlich BaumĂ€ngel die Ursache des Schimmels. Diese wurden beseitigt und die Dame konnte die Wohnung wieder beziehen. Nach der Bereinigung, ĂŒber 4 Jahre nach der ersten Meldung an die Vermieterin, bekam sie 9.000 Euro Schadenersatz fĂŒr Möbel und eine pauschale Abgeltung, weiß Kröll. Weiters verzichtete die Wohnungsbesitzerin auf eine Mietnachforderung, was fĂŒr die Mieterin eine Art Genugtuung war, so der Experte.

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Foto: wabeno / stock.adobe.com

FeuchtigkeitsmessgerÀt zur Beweissicherung

Der Jurist Kröll rĂ€t Mietern, Schimmel zu dokumentieren und umgehend den Vermieter zu kontaktieren, um jahrelange Streitigkeiten erst gar nicht entstehen zu lassen. Dabei können kleine, nur oberflĂ€chliche Stellen selbst bereinigt werden, bereits in die Wand eingedrungener Schimmel mĂŒsse aber von Profis entfernt werden. Bei der Schuldfrage geht es um die Kosten. Vermieter beklagen hĂ€ufig, dass der Schimmel durch unzureichende LĂŒftung der Mieter entsteht und somit deren Verschulden sei, fĂŒhrt Kröll weiter aus.  Um diesem Argument die Stirn zu bieten, empfiehlt er den Wohnungsmietern sich FeuchtigkeitsmessgerĂ€te fĂŒr Wand und Luft zuzulegen. Weist die Wand einen Feuchtigkeitsgehalt von 16 bis 20 Prozent auf, sind meist bauliche MĂ€ngel wie ein Leck oder undichte Leitungen der Grund der FĂ€ulnis. Des Weiteren kann man davon ausgehen, dass bei einer Luftfeuchtigkeit von etwa 50% oder weniger ausreichend gelĂŒftet wurde und kein Schimmel entstehen könne. Ist dies der Fall, muss der Vermieter die Wohnung sanieren, meint der Experte.

Momentan hat der Schimmel Hochsaison. Pro Woche beschÀftigt sich die AK Tirol mit 5 FÀllen, die mit Schimmel zu tun haben, erzÀhlt Kröll. Dabei sind die meisten FÀlle aber deutlich schneller und unkomplizierter gelöst als der Fall der Tiroler Pensionistin. Im Normalfall dauert so etwas nur zwei bis drei Monate. Wird ein Gutachten verlangt, kann es auch schon mal bis zu 6 Monate dauern, meint der Jurist.

Immer noch kĂŒrzer als im Fall der Seniorin.

photo by tom schuller // tom schuller.com
Photo by Tom Schuller // tom-schuller.com

Quelle: orf.at

Tipps vom Profi:

BM Dipl.-Ing. Gerhard Stefan verrÀt wie man einer Schimmelbildung vorbeugen kann und was zu tun ist, sollte dieser trotzdem auftreten.

Tipp#1: Sinnvoll ist es MöbelstĂŒcke, wie beispielsweise SchrĂ€nke, Sofas oder dicke VorhĂ€nge, nicht direkt an den AußenwĂ€nden zu platzieren. Diese wirken wie eine DĂ€mmung und ziehen den Taupunkt nach innen, damit verringert sich die OberflĂ€chentemperatur an der Innenseite der Außenwand. ZusĂ€tzlich findet dort wenig bis keine Konvektion statt.

Tipp#2: Richtiges LĂŒften ist essentiell (2-3x am Tag fĂŒr ca. 10 min). Im Winter ist dies gut erkennbar, wenn die Glasscheibe beim LĂŒften nicht mehr beschlagen ist, dann ist die warme und feuchte Luft ausgetauscht. Die Raumtemperatur wird dabei nur kurzfristig gesenkt. Aber Achtung: Fenster zu kippen ist kontraproduktiv, da es zu keinem nennenswerten Luftaustausch kommt und dadurch nur der Fenstersturz stark auskĂŒhlt, sodass insbesondere bei höherer Feuchtigkeit im Innenraum (z.B. Badezimmer, KĂŒche) Schimmel entstehen kann. Beim LĂŒften von Badezimmern z.B. nach dem Duschen unbedingt die BadezimmertĂŒre geschlossen halten, da sich sonst die warme und feuchte Luft im ganzen Haus/der ganzen Wohnung verteilt.

Tipp#3: Auch wenn Zimmer unbewohnt sind, sollte man diese im Winter trotzdem leicht beheizen. Dies gilt sowohl fĂŒr Neubauten aber insbesondere fĂŒr Altbauten oder sanierte Altbauten.

Was tun, wenn trotzdem Schimmel auftritt?
Dann sollte man unbedingt einen Experten zu Rate ziehen, der die Situation bautechnisch und bauphysikalisch ĂŒberprĂŒft. Oft ist es ausreichend, eine Sockelleistenheizung oder eine kleine Infrarotheizung mit wenig Leistung und geringen Kosten zu verbauen, um den Schimmel in den Griff zu bekommen. Um die optimale Lösung zu finden, ist das Know-How eines Experten unumgĂ€nglich.

Über den Autor:

Wolfgang Ebner

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